Grenzwertige Diskussionen
Da uns das Thema Abwasser / Wasserrecht und Umweltschutz alle etwas angeht, möchte ich hier eine Diskussion beginnen und hoffe, dass möglichst viele ihre Meinung einbringen.
Die Grenzwerte für unser Abwasser sind, auch wenn sie hier und da abweichen, allen bekannt. Dennoch oder gerade deswegen (und aus anderen Gründen) gibt es für mich großen Diskussionsbedarf, auch wenn die Diskussion sicher nichts ändern wird.
Grenzwerte im Allgemeinen
Die Aktuellen, schon seit zwei Jahrzehnten bestehenden Grenzwerte existieren meiner Meinung nach, weil sie technisch möglich sind. Teilweise muss man sagen, dass sie "irgendwie" möglich sind, der nötige technische Aufwand wird nur wenig berücksichtigt. Dass ein Nickel Grenzwert von 0,5 mg/l eigentlich nicht erforderlich ist, zeigt schon der Umstand, dass Betriebe welche chemisch Nickel einsetzen, einen Grenzwert von 1,0 mg/l haben. Warum nicht gleich alle Betriebe einen Grenzwert von 1,0 mg/l haben, ist mir schleierhaft.
Grenzwerte sollten meiner Meinung nach wirtschaftlich vertretbar sein. Auf weitere einzelne Werte möchte ich hier später genauer eingehen. Das Problem bei der Einhaltung der Grenzwerte ist meiner Meinung nach generell, dass man verhältnismäßig viel Chemie verbraucht, meiner Meinung nach zu viel. Das führt zum Beispiel zu einer erhöhten Aufsalzung des Wassers, zu höheren Kosten und auch zu Risiken. Um Metalle aus Komplexen zu fällen um zum Beispiel 1,0 mg/l Ni auf <0,5 mg/l Ni runter zu bekommen verwenden die meisten Betriebe Sulfide. Hier besteht die Gefahr, dass man zwar mit dem Ni-Wert unter dem Grenzwert liegt, aber einen zu hohen Sulfid Gehalt im Abwasser hat. Von Nebenwirkungen wie etwa einem nun freien Komplexbildner ganz zu schweigen.
AOX
Der AOX-Wert steht nun wieder voll in der Diskussion. Die Vorgeschichte erspare ich mir hier, sollte auch vielen bekannt sein. Derzeit gilt in vielen Betrieben der Wert als ausgesetzt, dies kann sich aber schnell ändern.
Statt also mit NaOCl zu entgiften muss man auf Alternativen umsteigen. Die reine H2O2 Behandlung ist meiner Meinung nach eine tickende Zeitbombe, vor allem wenn viel Kupfer mit im Spiel ist. Wirtschaftlich erscheint mir derzeit nur die UV-Behandlung, aber mal im Ernst, muss dies wirklich sein? Muss ein Betrieb wirklich 100.000 bis 200.000 Euro investieren um einen (fragwürdigen) Grenzwert von 1,0 mg/l einzuhalten? Bei AOX? Einen Parameter, den selbst Institute oft falsch analysieren? Einen Stoff, dessen Überschreitung die Charge zum Sondermüll degradiert weil eine Nachbehandlung mit gesundem Menschenverstand nicht mehr möglich ist?
Silber
Noch problematischer wird es bei Silber. Silber Abwässer sind i.d.R. nicht mehr vernünftig zu behandeln. Entweder ist der Cyanid Gehalt zu hoch, Silber oder AOX. Dies ist der Grund, warum viele Betriebe diese Abwässer extern entsorgen lassen. Die Kosten für so ein Abwasser sind teils recht hoch.
Sulfat
Der Sulfat Grenzwert ist für mich eines der größten Fehlgriffe und gilt nur für Indirekteinleiter. Sulfat greift Beton an und unterliegt einem Grenzwert von 400 mg/l. Da Galvaniken aber oft Sulfat im Einsatz haben (teils möchte man dies auch zur Entgiftung einsetzen) ist dieser Wert nur schwer einzuhalten. Zumindest hat hier der Gesetzgeber so weit mitgedacht, dass er erlaubt diesen Wert durch Verdünnung zu reduzieren.
Zink
Als ehemaliger Verzinker bringt mich dieser Wert schon fast zum lachen. Da stehe ich in der Abwasseranlage und pumpe hunderte von Litern an Chemie in die Charge um den Grenzwert von 2 mg/l einzuhalten und wenn ich nach Hause komme sehe ich, wie meine Frau sich die gesunden Zinkkapseln in die Gesichtsmitte schiebt.
Wie ist eure Meinung und eure Erfahrungen?
In der Galvanotechnik ist 1+1 manchmal 1,5, manchmal 2,5 und manchmal sogar 2.
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