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Thema: Schwerpunkte in der Ausbildung

  1. #1
    Avatar von Yamm
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    Standard Schwerpunkte in der Ausbildung

    Wir alle wissen ja, wie komplex das Thema Galvanotechnik ist. Es gibt Unmengen an Elektrolyte, Grundmaterialien (wenn man die verschiedenen Legierungsarten berücksichtigt), Arten der Vor- und Nachbehandlung und vieles mehr. Dazu kommen noch die ganzen Analysen und Messmethoden, Unterscheidungen wie Trommel, Gestell, Handgalvanik, Bandgalvanik und vieles mehr.

    Klar ist auch, dass die meisten Betriebe spezialisiert sind. Grob gesagt haben wir den funktionellen Bereich, den Korrosionsschutz und den dekorativen Bereich. Es ist also nahezu unmöglich, einem Galvaniseur alles bei zu bringen. Schon alleine die Zeit von "nur" 3 Jahren wird knapp.

    Es gibt aber auch Firmen, welche nur phosphatieren oder Feuerverzinken. Wenn man da einen Azubi einstellt, bekommt dieser nicht sonderlich viel vom eigentlichen Beruf mit, außer die Firma schickt ihn zu anderen Galvaniken oder schafft einen Raum für GT-Verfahren, welche nur für die Ausbildung da sind.

    Meine Frage, zur Diskussion gedacht, ist folgende. Welche Rahmenbedingungen sollte ein Betrieb schaffen? Was sollte der Betrieb dem Schüler beibringen? Was sollte erfolgen, damit man sagen kann, man hat einen guten Galvaniseur ausgebildet?
    In der Galvanotechnik ist 1+1 manchmal 1,5, manchmal 2,5 und manchmal sogar 2.
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  2. #2
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    tja, da sollte man sich als Ausbilder oder auszubildender Betrieb selbst die Frage stellen, was wollen wir erreichen.
    Billige Arbeitskraft, Befehlsempfänger, Automatenknopfdrücker oder Schaufler oder wollen wir einen qualifizierten Mitarbeiter der mitdenkt und lenkt.

    Und schon sind wir dabei, welche Leute stellen wir ein. Welches Niveau peilen wir an als Betrieb. Schlumpf oder Troubleshooter.

    Eine Schweizer Einrichtung finde ich top in deren Genuss ich auch selbst kam.

    Ein Götti !!!!! (ich sag mal nicht was das ist, bin aber auf die Beiträge gespannt)

    Wir im Betrieb verpassen den Auszubildenden neben Einstellungstest, betrieblichem Ausbildungsplan, Hausaufgabenbetreuung und Berichtsheft auch die Aufgabe einige Mal vor dem Kader (leitende Angestellte) einen Vortrag zu einem Fachthema zu halten.

    Weiter bekommt jeder Auszubildende pro Woche eine 30 minütige schriftliche Prüfung gestellt, die er korrigiert zurückerhält, zusätzlich ein Lösungsblatt mit der Optimallösung.

    So auf die schnelle wärs das. Vielleicht fällt mir noch was ein.
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  3. #3
    Avatar von Yamm
    Yamm ist offline Administrator Administrator - Sauerstoff
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    Also für mich ist klar, dass ein Azubi nicht billige Arbeitskraft ist sondern zu einem wertvollen Mitarbeiter heran wachsen soll.

    Dein Modell klingt gut und wenn der Betrieb auch voll dahinter steht, ist das ein Traum. In den meisten Betrieben scheitert es schon an der Einstellung, dass der Azubi mehr erwirtschaften muss als er kostet und keiner Zeit für ihn opfern darf, weil dies auch wieder Geld kostet.

    Traurig ist meiner Meinung nach auch die Einstellung, dass die Schule für alles Wissen verantwortlich gemacht wird. Die Schule muss zwar viele Grundlagen vermitteln (was auch gemacht wird) aber schon die Zeit ist für das ganze Spektrum viel zu kurz.

    Ich glaube bzw. bin der festen Überzeugung, dass zur Ausbildung nicht nur Theorie und Praxis gehören sondern auch ein Stück weit Erziehung und die Vermittlung von Werten.

    Ein Azubi hat mich mal gefragt, warum er so oft putzen muss und nicht mehr verantwortungsvollere Arbeiten machen darf. Die Antwort lag für mich auf der Hand. Er hat es nicht geschafft, eine Spüle oder den Boden ordentlich in einer akzeptablen Zeit sauber zu bekommen. Eine einfache Tätigkeit, welche den Einsatz des Gehirns nicht erfordert. Da ich aber kein gewissenhaftes Arbeiten bei der Reinigung erkennen konnte, habe ich ihm vorerst auch keine "besseren" Aufgaben gegeben.

    Mit der Zeit zeigte es Wirkung. So soll es auch sein.
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  4. #4
    Avatar von n00bert
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    Im Lahn-Dill-Kreis (Hessen) haben mehrere Firmen einen "Ausbildungsverbund" gebildet. In der Firma, in welcher ich gelehrnt habe, kommen etwa einmal pro Jahr einige Azubis anderer Firmen (Eloxalbuden, Leiterplattentechnik, Drahtgalvanik) um dort Sachen wie Kupfer-Nickel-Chrom (Hand), ggf.Eloxal (Hand) oder auch "Schleifen und Polieren" vermittelt zu bekommen.
    Die Azubis der Firma in welcher ich gelehrnt habe, absolvieren im Gegenzug in anderen Betrieben ihre Metallgrundausbildung und lernen das Herstellen von Gestellen (aus Aluminium, für Eloxal) anhand von technischen Zeichnungen für ein Teil, welches man erst zu Gesicht bekommt, wenn das Gestell fertig ist.
    [angeben]also mein Teil hat immer bombig gepasst [/angeben]

    Da ich in einer Firma mit großem und vielfältigem Handgalvanikanteil groß geworden bin, kann ich nicht sagen ob den Azubis aus den anderen Betrieben die 2x 4 Wochen(???) "Praktikum" genügen.

    Eine vernünftige Ergänzung ist es aber garantiert.
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  5. #5
    Avatar von n00bert
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    Was ich auch sehr gut fande war, dass wir kein normales Berichtsheft geführt haben. Wir mussten jeden Monat eine Fachbericht über ein (meist locker) vorgegebenes Thema (Schleifen+Polieren, Entfettung, Beizen, Abwasser) schreiben.
    Jeden Monat ca. eine DINA4 Seite handschriftlich vorschreiben, mit dem Ausbilder durchsprechen, ewt überarbeiten und ab ins Berichtsheft.

    Da kommt nach 3 Jahren gut was zusammen.

    (Anmerk.: Der IHK war das wurscht)
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  6. #6
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    *meld*
    Also ich für meinen Teil finde das es sehr wichtig ist wenn ein Azubi mal in andere Betriebe reinschnuppern können.
    Allerdings höre ich von wenigen das sie das auch dürfen von der Firma aus und dann auch mal länge wie eine Woche.
    Es ist stark zu sehen in Unterricht wer gefördert wird und wer keine Ahnung hat.
    Auch in der Praxis also wenn es heißt :
    "So Herren an die arbeit"

    ...meist muss man die Werkstoffe vorbehandeln
    z.b. Schleifen, Bürsten.... ect.
    Sieht man die Ergebnisse ganz deutlich !!

    Fragt mal die Azubis nach ihren Teilen die sie in der Schule gemacht haben
    nur die Azubis die in eine Handgalvanik arbeiten oder so etwas öfter machen müssen sieht man das diese Werkstücke gut geworden sind.
    Die meisten sehen naja aus.

    (von den Noten fang ich erstmal lieber nicht an)

    Ich denke solche Grundlagen sollten die Azubis schon können.
    Nur oftmals bekommen sie die Chance nicht und sind somit angewissen auf die Schule.
    Traurig aber Wahr !!

    Okay ich kann mich nicht beklagen mir geht es relativ gut
    und habe auch in der Schule auch keine Problem (im Moment) :wink:

    Im großen ganzen sollte sich eine Firma dem Azubi mehr bieten in dem sie ihn oder ihr mehrer Praktikas in verschieden Firmen anbietet
    ... nur so kann doch gewährleistet werden das der Azubi ein guter Galvaniker /Oberflächenbeschichter wird.

    sooo das wäres für meinen Teil !!


    Lg Kara

    P.S. das mit dem Metallgrundkurs ^^
    ist gar keine so schlecht Sache =>
    habe das von meiner Zimmerkammeradin auch gehört.
    Allerdings sie fand das nicht so toll
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  7. #7
    Avatar von Skippy
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    Viele Beobachtungen kann ich nur zustimmen sie decken sich mit dem was ich bisher gesehen habe.

    Persönlich finde ich aber das schon in der Schule viel gegen den Baum gefahren wird.
    Solingen ist nen ziemlich gutes Beispiel wie mans nicht machen sollte.

    Das fängt bei der Theorie an und hört beim Nichtvorhanden Gestellbau auf.

    Lustig fand ich damals das gerade Die Firmen die extra nen Ausbildungsbeauftragten hatten und deren Lehrlinge teilweise pro Woche sogar noch 1-2 Stunden "schule" hatten.
    Genauso Dumm waren wie der Rest der Klasse ums mal hart auszudrücken.

    Und von Manch Firmen möcht ich gar nicht erst reden wenn du die Geschichten dort gehört hast, bist de schon am verzweifeln gewesen --> Metoba ist so ne Beispielsfirma.

    Die Sache mit dem Monatsberichten finde ich Persönlich auch besser weil man da ja wenigstens selbst nachdenken muss.
    Im Gegensatz zu den Wochenheftchen wo man "nur" aufschreibt was man gemacht hat.


    Fragt mal die Azubis nach ihren Teilen die sie in der Schule gemacht haben
    Das wird leider Nix denn wenn de als Ausbilder deinen lehrling fragst sehen die Teile natürlich super aus er war natürlich einer der besten ;-)
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  8. #8
    Avatar von Yamm
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    Standard Re: Schwerpunkte in der Ausbildung

    Ich möchte mal etwas konkreter werden. Bei mir fand ich den Start in die Ausbildung klasse. Ich hatte nicht besonders viel Ahnung, was auf mich zu kommt und auch ein wenig Angst vor der unbekannten Theorie. Zum Glück hatte ich einen Meister, der es wie kein zweiter verstand einen gut ran zu führen.

    Meine ersten Tätigkeiten bestanden aus Analysen und viel Theorie. Vieles war darauf ausgerichtet, den Azubi auf den ersten Schulblock vorzubereiten, was ich super fand. So bekam ich nicht nur die ersten Analysen mit auf dem Weg sondern auch Berechnungen von Ansätzen, Badkorrekturen und das Faradaysche Gesetz!

    Darüber hinaus bekam ich auch Verantwortung für Bäder. Ich war also für die Analysen von am Anfang 3, später für circa 10 Bäder verantwortlich. Gerade, als die Arbeit zur Routine wurde, wurde ich dann auch mehr in die Produktion eingebunden.

    In der Galvanik hatten wir leider nicht viele Verfahren, aber dennoch wurde mir viel beigebracht. Einige Elektrolyte bastelten wir uns dann im Labor zusammen, machten Versuchreihen und vieles mehr. Meistens weit bevor wir die Themen in der Schule hatten. Manchmal waren es die gleichen Themen, oft aber auch Ergänzungen oder Vorbereitungen. Manches hatte ich nicht mal später auf der Technikerschule.

    Kurz: ich halte die ersten Monate für die wichtigsten. Wenn man es versteht und motiviert ist, kommt dann vieles von alleine. So richtig gemerkt habe ich es auf der Technikerschule, als ich Schüler vorfand, die weder Reaktionsgleichungen, noch Badberechnungen durchgeführt haben. Oft hatte ich auch den Eindruck, dass sie nicht nur mit der Chemie selber sondern auch mit der Galvanotechnik im Allgemeinen nicht viel anfangen konnten, weil sie viele Prinzipien nie verstanden haben oder ihnen nie erklärt wurden.

    Was das Thema Schleifen und Pollieren angeht: in der Schule wird es heute noch hoch gehalten, für meinen Teil ist dies aber überflüssig. Man bekommt zwar ein Gespür für das Metall, aber wirklich brauchen tut man es in der Praxis kaum noch. In drei Betrieben habe ich es selber nur einmal angewandt, für meine eigenen privaten Teile.
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  9. #9
    Avatar von Galvano-Fox
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    Standard

    Hallo Yamm,

    Dein Meister hatte eine ausgebuffte Strategie!
    Ich war in einem kleinen Lohnladen (mit Schleiferei und Lackieren). Wir hatten (für eine Firma mit 4 Mann - incl. Lehrling!) recht viele Verfahren. Aber mein Meister überließ fast alle Erklärungen der Schule; er war eben mehr der Praktiker...
    Was ich von der Theorie vor dem ersten Schulblock erfuhr musste ich Ihm regelrecht aus der Nase ziehen oder mir aus den überall herumliegenden "Galvanotechnik"-Magazinen herausholen (Zeitung oder andere Magazine zum lesen in den Pausen gabs nur für die Chefs).
    Das wurde später zwar besser - da hat er mir sehr viel beigebracht und erklärt - aber den Anfang machte bei mir Hr. Frankenberger und seine Kollegen...
    Nur gut, dass ich in der Schule schon gut in Chemie war!
    Wie man also anfängt ist nicht echt entscheidend, finde ich. Es ist wichtig, dass man in der Ausbildung eine breite Palette an Verfahren und Fertigkeiten kennen und anwenden lernt und was man nicht im Betrieb hat sollte bei anderen Firmen in Praktikas geübt werden. In der Schule gibt es ja leider keine Möglichkeit, irgend etwas im praktischen Unterricht nach eigenem Ermessen zu vertiefen (Schade!).
    Wäre vielleicht mal ein Vorschlag für den praktischen Unterricht - Die Schüler (sagen wir Ende d. 2. Jahres) geben einen Zettel ab, in dem sie ein oder zwei Verfahren nennen, die sie vertiefen bzw. kennen lernen wollen. Darauf wird dann im letzten Teil des prakt. Unterrichts eingegangen (theoret. Grundlagen, zuschauen, selber machen).
    Natürlich müsste dann einiges an "Standardverfahren" entsprechend zusammen gestrichen werden, um so ein Programm min. 1 Block lang durchzuziehen!
    LG Euer

    Galvano-Fox

    Klassisch: "Wer aus den Fehlern der Geschichte nicht lernt, ist verdammt sie zu wiederholen"
    Moderner Zusatz: "Wer falsch aus der Geschichte lernt ist einfach nur verdammt!"

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